Archive for the 'Extrem Events' category

PNY Tagesbericht 8. März 2010

BlueGerbil | 8. März 2010 18:47

08.03.2010: 152. Kurzmeldung (06:56 Uhr MEZ)

8 Uhr. Sind aufgebrochen. 15 km auf Eis und einer Landzunge liegen zwischen uns und Lorino. Hoffen wir dass wir es heute schaffen.

16.30 Uhr. Nach 11 Tagen in Schnee und Eis, auf einer Gesamtstrecke, die nach unseren Informationen noch niemals zuvor von Autos und dazu noch mit Trailern und aus eigenem Antrieb zurückgelegt wurde, vier Mann auf sich alleine gestellt, erreichten wir soeben Lorino. Da uns das viele nicht zutrauten, sind wir schon ein bisschen mehr als zufrieden.

17.30 Uhr. Nach einem herzlichen Empfang mit jeder Menge Kindern, nach der Registration und Kontrolle der Papiere, brechen wir jetzt wieder auf nach Lavrentia. 43 km.

08.03.2010: 153. Kurzmeldung (12:56 Uhr MEZ)

24 Uhr. Wir haben den Randbezirk von Lavrentia erreicht. Aktuell stehen wir drei Kilometer vor der Stadt auf einer Anhöhe (aktuelle Position: N 65°35.577 / W 171°04.660) und haben uns entschieden hier zu übernachten, morgen früh erst in die Stadt zu fahren.

An dieser Stelle noch ein Dank an Valeriy, ein super Typ. Ein Mann, der sich nichts daraus machte dass Andere ihn für verrückt erklärten als er sich entschied die Expedition zu begleiten.

Danke dass du eingesprungen bist. Wir sind sehr gerne mit dir unterwegs gewesen, du warst ein guter Kamerad, hart im nehmen und sehr zuverlässig. Danke für deine fröhlich Art und deine gute Laune! Valeriy wird nun nach Providenia zurückkehren und Konstantin Savva wird anstelle seiner das Team komplettieren. Damit bleibt es bei der hälftigen Aufteilung Russland/Deutschland im Team.

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PNY Tagesbericht 5.-7. März 2010

BlueGerbil | 7. März 2010 12:42

Mehr neue Fotos auf http://bit.ly/auCc7D

05.03.2010: 141. Kurzmeldung (01:46 Uhr MEZ)

7 Uhr. Der Sturm hat für kurze Zeit etwas nachgelassen. Das gab uns die Möglichkeit in fünf Stunden den Lüfter von F2 zu reparieren. Wir müssen F2 noch besser mit Schnee zu schützen, einen Toilettenschutz bauen (Iglustyle), auch um unter zumindest erträglicheren Bedingungen nachtanken zu können, wenngleich es immer noch heftig ist. Wir haben die Standsituation aber verbessern können.

Ein Aufbrechen ist jedoch nach wie vor nicht möglich. Die Sicht liegt bei unter zehn Metern.

Das Team ist wohl auf, die Stimmung gut, die russisch-deutsche Freundschaft sehr stark, ausgezeichnete Kameradschaft. Die Motoren laufen. Position unverändert.

05.03.2010: 142. Kurzmeldung (20:46 Uhr MEZ)

6 Uhr. Nach der dritten Nacht am dritten Tag hat der Sturm heute Morgen nachgelassen. Es ist weniger Schnee in der Luft. Die Sicht beträgt ca. 50-60 m.

Wir werden beginnen die Autos auszugraben, die Achsen und Getriebe mit dem Webasto-Heißluftstrahl aufzutauen (das Öl ist gefroren, so können wir nicht los). Das wird ca. acht Stunden dauern. Danach - sollte das Wetter so bleiben - versuchen wir hier wegzukommen.[/quote]

06.03.2010: 143. Kurzmeldung (01:29 Uhr MEZ)

11 Uhr. Wir haben F1 ausgegraben und versuchen eine Spur zu machen. Die Brennerlampe geht nicht. Der Sturm bläst auch den Webastostrahl weg, den wir versuchten auf die Achsen zu lenken. Also können wir das Öl nicht erwärmen – wir müssen es so versuchen.

Die Sicht ist bisher stabil bei ca. 50 m. Hoffentlich schaffen wir den “Ausbruch”

14 Uhr. Wir sind gestartet.

06.03.2010: 144. Kurzmeldung (05:46 Uhr MEZ)

Der Ausbruch ist geglückt. Wir arbeiten uns Meter für Meter vorwärts. Soeben haben wir zwei schwierige Eispassagen geschafft und damit eine sehr schmale Landzunge erreicht.

Aktuelle Position: N 65°13.176 / W 172°12.393

06.03.2010: 145. Kurzmeldung (09:39 Uhr MEZ)

20.30 Uhr. Gerade haben wir nach einer schwierigen Schrägfahrt und einem Anstieg mit vielen Schneeverwehungen vom Ufer zur Strandpromenade, eine Pause gemacht. Wir haben einen warmen Kaffee getrunken und etwas gegessen.

Draußen stürmt es wieder wie verrückt und wir drehen auch auf, aber diesmal die Musik. Nach den letzten Tagen der Gefangenschaft und dem heutigen Ausbruch freuen wir uns einfach mal. Wir drehen also die Musikboxen auf bis zum Anschlag und schicken uns ein Lied nach dem anderen über Funk.

Dank Christoph hat Rudi einen schier unendlichen Vorrat an Songs aller Richtungen und ich habe auf der Festplatte von F1 genügend Songs um Hitparade zu machen. Na ja, muss halt auch mal sein.

Geil auf jeden Fall dass wir aus dem Schneelager raus sind. Mal sehen ob wir den Pass, der vor uns liegt schaffen.

Vor ca. 3 km hatten wir bei einem Stopp noch festgestellt dass das vordere obere Achslager an F2 ausgebrochen ist, der Langarm rumschlackert. Na ja, wie immer müssen Gurte und Kupferdraht her, eine Portion Kraft zweier Männer, etwas Glück, ein Windschutz, eine Stunde Zeit und das Ding ist so gut wie geschweißt - halt nur mit Stoff. Mal sehen wie lange es hält.

Das Team ist wohl auf. Unsere aktuelle Position: N 65°15.710 / W 172°12.030

06.03.2010: 146. Kurzmeldung (13:15 Uhr MEZ)

23 Uhr. Stark: Bei Schneetreiben, Wind, in der Nacht und teilweise null Sicht haben wir die Passhöhe bei N 65°17.119 / W 172°13.385 erreicht.

06.03.2010: 147. Kurzmeldung (23:56 Uhr MEZ)

Wir bleiben nun stehen um ein bisschen zu schlafen.

Aktuelle Position: N 65°20.164 / W 172°12.642

07.03.2010: 148. Kurzmeldung (01:33 Uhr MEZ)

9 Uhr. Das Wetter ist besser. Die Sicht beträgt ca. 60-80 m, weniger Wind, weniger Schnee.

Nachdem wir nun mehrere Stunden geschlafen haben, werden wir nun weiterfahren.

Unsere Position: N 65°20.891 / W 172°12.383

Haben eben zwei Jäger mit einem russischen Snowmobil getroffen, die auf einem angehängten Schlitten ein Jagdboot aus Walrosshaut hatten. Genial, aber krass dass sie damit wirklich ins Wasser gehen. Die Person muss einigermaßen leicht sein, die Paddel sind kaum 10 cm breit. Interessant wie sie da noch Robben reinholen wollen.

12.30 Uhr. Wir nähern uns weiter Lorino. Heftige Schneewehen erschweren das Vorwärtskommen erheblich. Immer wieder müssen wir den Trailer von F1 abhängen, mit F1 und Sandblechen einen Weg machen, alles wieder verladen, anhängen, und weiter.

Aktuelle Position: N 65°23.002 / W 172°11.084

07.03.2010: 149. Kurzmeldung (05:01 Uhr MEZ)

Eben haben wir eine Fischerschutzhütte bei N 65°24.934 / W 172°09.521 erreicht. Dort trafen wir auf zwei Jägertrupps aus Lorina, die Seehunde jagten. Herzliche Begrüßung. Wir haben jetzt noch ca. 25 km nach Lorino. Jetzt rasten wir kurz, dann nachtanken, dann kämpfen wir uns weiter.

07.03.2010: 150. Kurzmeldung (07:26 Uhr MEZ)

18 Uhr. Wir haben einen spirituellen Platz der Tschuktschen bei N 65°27.359 / W 172°06.597 erreicht. An diesem Platz auf der schmalen Landzunge, auf der wir gerade fahren, ragen Walknochen meterhoch in die Höhe.

Aufgestellt als spirituelles Mahnmal und Gedenkmal. Hier bringt man Opfer wie Victor mir erklärt. So auch wir. Als Vertreter für uns alle ging Victor mit gutem Essen - Lieblingsschokolade, Brot, etc. - um die Knochen und warf/legte den Göttern diese Speisen zur Besänftigung zum Essen vor. Ob es hilft sehen wir. Als Victor wieder ins Auto steigt und einen Moment sitzt, fällt sein Messer, das er fest vor sich ins Armaturenbrett gesteckt hat in den Fußraum. Eigentlich geht das nicht.

Auch nicht wenn man daran zieht und er hatte es zuvor auch nicht berührt. Komisch. Es ist das erste Mal dass es fällt und er meint es ist ein Zeichen, die Götter haben uns gesehen und okay gesagt.

Nun steigt auch Rudi aus, will den Ort selbst besuchen. Eine ganze Zeit steht/verharrt er mit dem Rücken zu uns, sieht in die Ferne.

Vielleicht ist dies wirklich ein magischer Ort.

Mittlerweile ist es dunkel geworden. Keiner spricht ein Wort. Weder im Auto, noch über Funk. Jeder geht seinen eigenen Gedanken nach und irgendwie ist es als stünde die Expedition auch in den Köpfen für einen Moment lang still.

Ich werde hier ein wenig schlafen.

07.03.2010: 151. Kurzmeldung (09:00 Uhr MEZ)

Nach ermüdendem ungefähr 40 Mal Trailer ab-/anhängen, Spur machen, zurückfahren, etc. auf den letzten 5 km haben wir nun den äußersten Zipfel einer Landzunge bei N 65°29.027 / W 172°04.992 erreicht. Damit sind wir nun ca. 15 km vor Lorino. Wir müssen nun ca. 1-3 km über Meereis fahren um auf die andere Landzunge zu kommen. Das hängt jedoch von der Eissituation ab. Bei Nacht gehen wir das jetzt nicht mehr an. Wir warten Tageslicht ab.

Team okay, Kraftstoffreserven okay. F1 Motor stottert wegen Kraftstoffzufuhrproblemen, bei nächster Gelegenheit muss die Benzinpumpe gereinigt werden. Außerdem haben wir heute eine überhitzte Servolenkung gehabt, Luft im System. Das muss in dem Zug, wenn die Achse am F2 geschweißt wird mit repariert werden.

Wir legen uns jetzt schlafen. Es war ein harter Tag.

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PNY Tagesbericht 28. Februar - 01. März 2010

BlueGerbil | 1. März 2010 23:40

28.02.2010: 131. Kurzmeldung (00:22 Uhr MEZ)

Sind seit 24 Stunden auf dem Eis der Bucht. Es ist eine unglaubliche Plackerei. F1 und F2 sind total in Wasserfallen eingebrochen. 200 m in 13 Stunden. So ein Mist…

Aus der heftigsten Wasserfalle konnten wir uns befreien. Wir haben seit gestern 10 Uhr morgens nicht geschlafen. Das Team ist wohl auf und mental stark.

Weiter geht’s.

28.02.2010: 132. Kurzmeldung (19:13 Uhr MEZ)

Nun haben wir seit 36 Stunden ununterbrochen durchgearbeitet. Wir sind wie beschrieben genau in die Wasserfallen rein und mussten uns daraus befreien vor dem man uns warnte. Aber einen anderen Weg als durch die Bucht gibt es nicht. Deshalb müssen wir versuchen durchzukommen.
Besonders das Winchen mit F1 ist neben dem ewigen Schaufeln und Sandbleche schleppen kräftezehrend. Um F1 winchen zu können brauchen wir einen Eisanker. Dieser besteht aus einem ca. 80 cm langen, runden Holzstück um dessen Mitte das Winchseil geschlungen wird. Dann versenken wir das Holzstück quer zur Zugrichtung in einem Schneeloch, das wir vorher bis auf die Eisfläche runtergegraben haben. In dieses ca. 80-100 cm tiefe Loch rammen wir dann noch drei Eisstangen um das Holzstück zu sichern und schlagen diese so tief wie möglich in das Eis auf dem das Holz liegt. Da Wasser auf dem Eis steht ist dies eine nasse Angelegenheit. Die Handschuhe frieren in Sekunden.

28.02.2010: 133. Kurzmeldung (22:29 Uhr MEZ)

6 Uhr. Wir brechen auf nachdem wir nun zumindest einige Stunden geschlafen haben. Es sind -35°C. Daher hoffen wir dass das Wasser etwas mehr gefroren ist und wir fahren können anstatt zu winchen.

01.03.2010: 134. Kurzmeldung (07:22 Uhr MEZ)

Aktuell befinden wir uns bei N 64°51.821‘ / W 172°43.365‘.

Nachdem wir gestern Abend noch beide Wagen und beide Trailer zumindest zusammen auf ein sicheres Stück “Wasserschnee” gestellt hatten, fielen wir in Tiefschlaf. Als wir abends noch Besuch von zwei Skidoofahrern und von Vladimir und Jefgeny aus Providenia erhielten, bekam zumindest ich das nur noch im Halbschlaf mit.

Heute lief es dann besser nachdem die tiefen Temperaturen der Nacht das Sulzgemisch hatten weiter frieren lassen. Die neuen Wrangler MTR‘s konnten wieder mal ihre Stärken ausspielen und uns vorwärts bringen.

Bedingt wird dieser Wasserschnee übrigens durch drei große Risse, die jedes Jahr in der Bucht entstehen. Zwei verlaufen quer zur Bucht, einer parallel. Auf den Fotos, die wir senden werden ist der Dritte zu erkennen. Die Risse sind ca. 40-60 cm breit. Der dritte Riss z.B. hatte nur eine Eisstärke an einer Stelle von rund 10 cm.

Was uns heute aufhielt waren Seehundlöcher. Seehunde brauchen Luft zum Atmen. Da aber alles gefroren ist, hat sich die Natur ein klasse Instrument einfallen lassen und die Tierchen mit “Superpuste” ausgestattet. Mit ihr “hauchen” sich die Seehunde Löcher in das Eis um an die frische Luft zu kommen. Es entstehen mehr oder weniger kreisrunde Löcher, die sich natürlich mit Wasser füllen. Schneit es lange, wehen die Löcher zu und es entsteht eine trügerische Schicht.
Etliche von den Dingern haben wir heute erwischt. Mal mit dem Vorder-, mal mit dem Hinter-, mal mit dem Anhängerrad. Hier muss es von den Kollegen nur so wimmeln.
Fährt man mit genügend Speed drüber und bricht ein, reißt es einem die Achse raus, da die Löcher mit dem Wasser/Schnee darüber ein Loch von insgesamt gut 1,5 x 1,5 Metern entstehen lassen. Also schön langsam, dann bricht zwar ein Rad ein, man macht sich aber nichts kaputt.
Steht man an einem solchen Loch und versucht es zuzuschaufeln um dann Sandbleche drüber zu legen, kann es sein dass man mit dem nächsten Spatenstich schon das nächste findet und mit den Füßen einbricht und sich wundert warum “Mann” plötzlich 60 cm tiefer steht (so geschehen).

01.03.2010: 135. Kurzmeldung (07:30 Uhr MEZ)

17 Uhr. Soeben haben wir wieder Festland erreicht und damit Jandrekinot. Super geil!
Wir sind alle froh diese lange Bucht geschafft zu haben. Starkes Team!
Sofort wurden wir von einem Skidoo empfangen, ein Vater mit zwei Jungs. Unmittelbar danach erreichte uns der Ortspolizist. Wir wurden ebenfalls sehr freundlich begrüßt, die Papiere kontrolliert. Alles okay.

Jetzt fahren wir an den Ort um dann sofort wieder aufzubrechen. Das Wetter ist super, wird aber schlimm. Wir erwarten laut den genialen und derart genauen Wettervorhersagen des Deutschen Wetterdienstes zwei Orkane, die uns treffen werden. Einer beginnt am Freitag. Bis dahin wollen wir schon ein gutes Stück Richtung Lavrentia geschafft haben.
Wir versuchen in jedem Fall eine Siedlung vor Lavrentia zu erreichen. Schaffen wir das nicht, müssen wird die Orkane im Auto aushalten.

Mal sehen wie schlimm die Strecke wird.

01.03.2010: 136. Kurzmeldung (19:06 Uhr MEZ)

3 Uhr. Wir kommen nicht schlecht voran. Wir haben einen kleinen Pass hinter Jandrekinot geschafft und drei Stunden geschlafen. Da wir aber das Wetter nutzen müssen fahren wir schon wieder. Wir schlängeln uns nun zwischen zwei kleinen Bergketten und irren Schneeverwehungen hindurch, die hart sind wie Beton.

Aktuelle Position: N 64°58.172 / W 172°25.621

Das Team ist wohl auf.

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PNY Tagesbericht 27.-28. Februar 2010

BlueGerbil | 28. Februar 2010 20:23
27.02.2010: 129. Kurzmeldung (10:14 Uhr MEZ)

F1 ganz heftig in Schnee eingebrochen. Über einen Meter versunken. Grundsol, darunter Wasser. Wir haben drei Stunden gebraucht um ihn rauszubekommen.

Wir stehen noch an der Stelle und versuchen irgendwie über den Riss zu kommen, der darunter zu sein schein. Mit Sandblechen krabbeln wir halben Meter für halben Meter vor. Ohne Sandbleche geht nichts mehr. Wir schaufeln, winchen, ziehen, etc. Eine Plackerei ohne Ende.

Eben dann ein wenig russische Romantik als wir mit einer Brennlampe Feuer machten, einen Tee kochten (Kaffee auch), Brot schnitten, Zwiebeln und Wurst aßen. Genauso wie russische Soldaten das eigentlich machen, wie wir erfuhren.

Jetzt versuchen wir weiter zu kommen. Am besten ist wenn man vergiss dass man hier mit 16 Tonnen auf Eis mitten in einer Bucht steht. Dann geht es. Denkt man daran wird einem schon mal mulmig, obwohl die Dicke bei ca. 80 cm liegt.

Eben hat auch der Wind etwas nachgelassen, was dazu führte dass die Schneeflocken am Boden bleiben und nicht aufgewirbelt wurden. Wir konnten in der Ferne für ein paar Minuten immer mal wieder die Lichter von Jandrekinot sehen.[/quote]

27.02.2010: 130. Kurzmeldung (11:24 Uhr MEZ)

Wie läuft das ab was wir gerade machen?

Reifen 0,1 vorne und 0,2 hinten.

Zuerst versuchen wir F1 mit Schaufeln und Sandblechen irgendwie über die Tiefschneefelder zu bekommen. Meter für Meter. Dann winchen wir den F1 Trailer mit der hinteren Winde des F1 im Abstand von gut 80 Metern bis auf 40 Meter an F1 ran. Dann benutzen wir den F1 Trailer als Winchpunkt für das F2 Gespann und helfen auch hier mit den Sandblechen, da F2 sonst ebenfalls einbricht. Plackerei, aber nur so geht‘s.

Ohne das geniale Windensystem vorne und hinten mit Umsteckwinden: null Komma null Chance. Die auf Einachsbetrieb mit Kufe vorne umgebauten Anhänger sind auch nur so hier durchzubringen. Der Umbau hat sich gelohnt. Das Material von Roka und BPW ist einfach spitze. [/quote]

[quote][b]28.02.2010: 131. Kurzmeldung (00:22 Uhr MEZ)[/b]

Sind seit 24 Stunden auf dem Eis der Bucht. Es ist eine unglaubliche Plackerei. F1 und F2 sind total in Wasserfallen eingebrochen. 200 m in 13 Stunden. So ein Mist…

Aus der heftigsten Wasserfalle konnten wir uns befreien. Wir haben seit gestern 10 Uhr morgens nicht geschlafen. Das Team ist wohl auf und mental stark.

Weiter geht’s.

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PNY Tagesbericht 24.-27. Februar 2010

BlueGerbil | 27. Februar 2010 06:40

24.02.2010: 121. Kurzmeldung (09:03 Uhr MEZ)

Autos und Trailer soeben fertig. Haben derzeit jedoch unerwartet und heftig eine andere, sehr schwere Prüfung zu durchstehen. Das Team ringt. Morgen der Tag wird denke ich eine Entscheidung bringen. Schwere Zeit.

25.02.2010: 122. Kurzmeldung (12:53 Uhr MEZ)

Die Prüfung ist vorüber. Das Team hat gerungen, sehr hart gerungen. Einen Crack im Miteinander zweier Menschen haben wir trotz aller Freundschaft, die unser Team verbindet und weiter verbinden wird, nicht kitten können. Nun, nach so langer Zeit des Kämpfens, Harrens, Wartens und harten Arbeitens wird es eine Teamänderung geben. Jefgeny Konstantinov wird nach Moskau zurückkehren, Konstantin Savva wird in das Einsatzteam zurückkommen. Es wird teamintern bleiben was geschah, aber Jefgeny hat sich diese Entscheidung sehr schwer gemacht. Er hat lange mit sich gerungen, am Ende stand jedoch der Flug zurück.

Mein guter Kamerad, ich danke dir für die gemeinsame Zeit, für die top Navigation, selbst im absoluten Blindflug, deine Ruhe, die Zuverlässigkeit, die Partnerschaft. Jefgeny, du warst ein top Partner. Ich bedauere dass du nicht weiter mit kannst.

Das Team wird morgen früh aufbrechen.

26.02.2010: 123. Kurzmeldung (05:43 Uhr MEZ)

12 Uhr. Nach toller offizieller Verabschiedung vor der Administration, von vielen vielen Menschen und Freunden sind wir aufgebrochen.

13 Uhr. Achsschaden am F2 Trailer. Wir haben 4 Stunden gebraucht, sind wieder fahrbereit. Das Radlager mitsamt Trommel war abgebrochen und ein komplettes Rad hatte sich verabschiedet. Aus Providenia haben wir mit Hilfe von Alexander ein Ersatzteil von Aletr Achse geholt. In der Zwischenzeit haben wir alle anderen Achslager kontrolliert und nachgestellt. Die schwierigste Geschichte war es, den in den Schnee eingesunkenen Trailer einseitig anheben zu können.

17 Uhr. Weiter geht‘s!

26.02.2010: 124. Kurzmeldung (07:51 Uhr MEZ)

Haben soeben New Chaplena erreicht. Wir fahren aber sofort weiter um das Nachtlicht (sehr gute Sicht mit Mondlicht) und die eisigen Temperaturen bis -35°C auszunutzen. Wir hoffen dass der tiefe Schnee, der jetzt 20 km bis zur Bucht kommt, in der Nacht mehr gefriert und uns trägt.

26.02.2010: 125. Kurzmeldung (10:58 Uhr MEZ)

Steckten für ca. 1,5 Stunden heftig fest. Wir mussten uns von der Doppelbereifung trennen, da die Felgen kaputt gingen. Im Moment befinden wir uns im Tiefschnee zwischen New Chaplena und der Sinavinslkie Bucht. Begleitet werden wir von unseren beiden Skidoofahrern Vladimir und Konstantin.

Die drehen allerdings jetzt ab, fahren zurück nach Providenia um dort zu schlafen. Morgen früh kommen sie wieder zu uns. Als neuer Teamkollege und Ersatzmann für Jefgeny bis nach Lavrentia ist Valerie Borisovitsch, unser Freund aus Providenia im Auto von Rudi. Victor fährt bei mir mit.

27.02.2010: 126. Kurzmeldung (00:32 Uhr MEZ)

08.30 Uhr. Haben uns gestern noch bis 2,5 km vor die Bucht gekämpft. Dann haben wir erschöpft angehalten um zu schlafen. Das Wetter ist okay, am Boden Winde mit Verwehungen (wir stehen in einem Tal. Da machen Fallwinde noch mehr zu schaffen), Himmel ist klar. Wir sehen die Bucht von unserem Standplatz schon (also da wo sie sein müsste wenn es Wasser wäre) und hoffen die letzten beiden Kilometer noch einigermaßen zu überwinden. Dann sehen wir wie wir aufs Eis kommen.

27.02.2010: 127. Kurzmeldung (04:30 Uhr MEZ)

15 Uhr. Bucht erreicht. Nach kurzem Stopp zum Anlegen von Schutzkleidung sind wir wieder aufgebrochen. Mal sehen ob das Eis trägt. Der Einstieg war okay. Der Riss mit Wasser ist mittlerweile wieder gefroren. Sehr gut.

27.02.2010: 128. Kurzmeldung (06:23 Uhr MEZ)

16.30 Uhr. F2 ist eingesunken. Das Wasser drückte in die rechte Spur. Es musste schnell gehen. Wir haben es mit einem sehr langen Seil am F1 Trailer geschafft und mit winchen winchen winchen. Jetzt fahren wir wieder.

17.30 Uhr. Ein Skidoofahrer dreht wegen Unterkühlung ab und kehrt nach Providenia zurück. Winchen und krabbeln weiter vorwärts auf tiefem Schnee auf Eis. Erster Gang Kriechgeschwindigkeit.

Noch 34 km nach Jandrekinot.

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PNY Tagesbericht 22. Februar 2010

BlueGerbil | 23. Februar 2010 06:19
22.02.2010:

Die Reparaturen nehmen noch mehr Zeit in Anspruch als geplant. Eine Tücke sind immer wieder die Werkzeuge. Anstelle von Spezialwerkzeugen behelfen wir uns mit immer neuen Ideen, die aber erst mal durchdacht und umgesetzt werden müssen, um die fehlenden Spezialwerkzeuge zu ersetzen. Das Improvisieren nimmt einfach einen Haufen Zeit in Anspruch. Grundsätzlich kommen wir jedoch voran. Wenige restliche Arbeiten sind noch auszuführen, u.a. die Hinterachse des F1.
Hoffentlich schaffen wir es morgen die Testfahrt zu machen, dann würden wir ganz früh am Mittwoch aufbrechen.

Wen es interessiert was wir alles zu reparieren, instandzusetzen, anzufertigen, neu zu erfinden und umzubauen hatten/haben, hier mal die grobe Liste der Arbeiten, die wir durchführten/-führen:

F1 mit Trailer1:

- Hauptstecker elektrischer Stab instand gesetzt und abgedichtet
- Achslagerspiel vorne rechts und links und hinten rechts und links eingestellt und Freilaufnabe vorne links instand gesetzt
mit Blechdosendeckel
- Hebescheren an Fahrzeugen befestigt
- Stabillager vorne rechts und links befestigt
- Lenkungsbock und Panardstabgegenlager konstruiert und eingeschweißt/Rahmenaufnahme gerichtet und geschweißt
- Vordere untere Federaufnahmen gerichtet und geschweißt
- Durchgeschliffenen Rahmen vorne rechts und links geschweißt
- Sämtliche Schrauben nachgezogen und befestigt
- Doppelbereifungssystem umgebaut und auf Felgenbetrieb umgerüstet
- Auspuffhalter geschweißt
- Auspuffhosenrohr rechts und links befestigt
- Servopumpe und beide Servoleitungen erneuert
- Rillenriemen, Spanner und Umlenkrolle erneuert
- Stromversorgung und Antennenkabel für Notfunkgerät instand gesetzt
- Panardstablager erneuert
- Ölwanne verstärkt, weil die Achsen anschlugen
- Oberen rechten und linken Anlenkarm hinten Verstärkungen aufgeschweißt und Gummilager aus Isolatoren neu gebaut
- Hinterachsreparatur durchgeführt/Differential erneuert
- 2 Doppelreifenkäfige gerichtet
- 3 Beadlockschläuche erneuert
- 2 Reifenventile erneuert
- Schwimmreifengröße angepasst
- Oberes vorderes Achslager abgeflext und verkleinert
- Batterien geladen

- Anhänger komplett entladen und beladen, auf Einachsbetrieb umgebaut, Pontons und Halter versetzt, Rahmen
umgeschweißt, Zugdeichsel neu konstruiert und ausgetauscht

F2 mit Trailer2:

- Panardstabaufnahme und Stabilisatoraufnahme und Federanschlagaufnahme hinten rechts gerichtet
- Abgerissene Bremsleitung vorne rechts erneuert
- Vorderachshälfte rechts erneuern
- Achslagerspiel vorne rechts und links und hinten rechts und links eingestellt
- Hebescheren an Fahrzeugen befestigt
- Stabillager vorne rechts und links befestigt
- Lenkungsbock und Panardstabgegenlager konstruiert und eingeschweißt/Rahmenaufnahme gerichtet und geschweißt
- Vordere untere Federaufnahmen gerichtet und geschweißt
- Durchgeschliffenen Rahmen vorne rechts und links geschweißt
- Sämtliche Schrauben nachgezogen und befestigt
- Doppelbereifungssystem umgebaut und auf Felgenbetrieb umgerüstet
- Auspuffhosenrohr rechts und links befestigt
- Servopumpe und beide Servoleitungen erneuert
- Rillenriemen, Spanner und Umlenkrolle erneuert
- Panardstablager erneuert
- Ölwanne verstärkt, weil die Achsen anschlugen
- Oberen rechten und linken Anlenkarm hinten Verstärkungen aufgeschweißt und Gummilager aus Isolatoren neu gebaut
- 1 Doppelreifenkäfig gerichtet
- 1 Beadlockschlauch erneuert
- 3 Reifenventile erneuert
- Schwimmreifengröße angepasst
- Oberes vorderes Achslager abgeflext und verkleinert
- Batterien geladen

- Anhänger komplett entladen und beladen, auf Einachsbetrieb umgebaut, Pontons und Halter versetzt, Rahmen
umgeschweißt, Zugdeichsel neu konstruiert und ausgetauscht

Dazwischen die Autos mit Lufthakenseilbrückenhängetechniken x-mal freischwebend über der Grube und mit waghalsigen Konstruktionen um- und aufgebockt, nachdem wir vorher rund 30 Holzstücke aus dicken Balken mit einem Fuchsschwanz (Handsäge) geschnitten hatten.

22.02.2010: 120. Kurzmeldung (11:39 Uhr MEZ)

Beide Testfahrten erfolgreich durchgeführt!!!
Anhängertests ebenfalls erfolgreich!!!

Beginnen nun mit dem Beladen der Wagen.

Wird wieder eine lange Nacht. Morgen dann tanken, Wohnung räumen, Vorräte einkaufen, restliche Dinge laden, Abschlussmeetings mit Personen des öffentlichen Lebens und Helfern, dann schlafen.
Werden wenn Wetter weiter okay ist, am Mittwoch früh aufbrechen.
Leider entstand am Einstieg zur 60 km langen Bucht schon ein großer Riss, der mit Wasser gefüllt ist. Außerdem erwartet uns wohl sehr viel Schnee, wie wir heute wieder erfuhren.
Mal sehen.

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PNY Tagesbericht 14-18. Februar 2010

BlueGerbil | 18. Februar 2010 23:44

14.02.2010: 115. Kurzmeldung (22:11 Uhr MEZ)

Bering Air teilte soeben mit sie werden nicht kommen weil man andere Flüge durchführen wolle. Na toll. Unser Flug ist seit Mittwoch letzter Woche in Verzug. Habe interveniert. Mal sehen ob das Management von Bering Air einlenkt.

15.02.2010: 116. Kurzmeldung (11:44 Uhr MEZ)

Definitiv kein Flug heute. Bering Air hat abgelehnt - also wieder Prinzip Hoffnung dass es dann morgen wird. Krass. Ich denke grundsätzlich ist das für diese besondere Region der Erde eines der Hauptprobleme. Jeglicher Transport ist entweder wetterabhängig, extrem aufwendig, teilweise lebensgefährlich oder spektakulär. Aktuell planen wir am Freitag, spätestens Samstag aufzubrechen. Haben heute weiterrepariert und vorbereitet.

16.02.2010: 117. Kurzmeldung (00:13 Uhr MEZ)

Kaum zu glauben. Soeben erhielten wir die Nachricht, dass der Flug mit unseren Ersatzteilen Nome verlassen hat und in ca. 1 Stunde hier sein wird. Victor ist auf dem Weg zum Flughafen um alles zu regeln. Jefgeny hilft. Rudi und ich schrauben in Ruhe weiter.

Endlich! Mal sehen ob alles dabei ist was wir brauchen.

16.02.2010: 118. Kurzmeldung (05:20 Uhr MEZ)

Gelandet!!! Phuuuuuu.

Alles wird gerade kontrolliert, dann verzollt, dann in die Werkstatt gebracht.
Bin gespannt ob wir mit den Dingen die Autos wieder flott bekommen.

18.02.2010: 119. Kurzmeldung (12:53 Uhr MEZ)

Wir arbeiten wir mit Hochdruck an den Wagen. Könnte es denn anders sein? Derzeit planen wir am Samstag oder Sonntag aufzubrechen. Wir wollen zunächst Novoe Chaplino erreichen, dann - nach kurzem Stopp dort - den längsten Eistest auf Meereis (rund 60 km entlang der Küste) mit Ziel Janrakinnot in Angriff nehmen.
Dazu werden die auf Einachsbetrieb umgebauten Anhänger mit 25-Meter-Seilen hinter den Wagen hergezogen um zu hohe Belastungen des Eises und damit ein Einbrechen zu verhindern.

Wilde Geschichten werden hier über diesen insgesamt rund 80 km langen Abschnitt erzählt (versunkene Fahrzeuge, Nalid Eis ohne Ende, etc.).
Eine besondere Tücke auf diesem Abschnitt sind die Wasserfelder. Diese bilden sich an bestimmten Stellen auf dem Eis und werden von Schnee überdeckt. Die Wind- und Temperaturverhältnisse sorgen dafür, dass die Schneeoberfläche gefriert (allerdings Schneeoptik behält), der Schnee und das Wasser darunter aber nicht. Eine tückische, optisch glatte Fläche bildet sich, die beim Befahren jedoch einbricht. Wir hoffen nicht in eine solche Falle zu geraten.

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PNY Tagesbericht 07-09. Februar 2010

BlueGerbil | 9. Februar 2010 20:11

Neue Fotos der Expedition sind online unter http://www.facebook.com/album.php?aid=144222&id=41595873841

07.02.2010: 111. Kurzmeldung (14:27 Uhr MEZ)

Heute mal eine - von ihm genehmigte - Story über Victor. Als ehemaliger Helikopterpilot kennt er viele Menschen in Tschukotka und mindestens ebenso viele kennen ihn. Oft wird er wiedererkannt, selbst wenn sein letzter Flug an diesen Platz zehn oder mehr Jahre zurückliegt. Menschen, die in den kleinen Villages leben brauchen keine Zeit, sie haben diese in Hülle und Fülle. Einmal fragte Victor einen tschuktschischen Mann, der ihn freudigst begrüßte: “Weißt du eigentlich wann wir uns das letzte mal sahen?” Dieser antwortete: „Na vor ein paar Wintern.“ Aber es war 14 Jahre her.

Nett auch die Story von Victors Zahn. Weil er entweder keine Zeit oder gerade nicht das nötige Kleingeld hatte, fertigt Victor sich einen Zahn aus versteinertem Mammutknochen an. Klar der muss auch mal erneuert werden und so feilt er zeitweise munter an Mammutstückchen, die er immer dabei hat. Ganz sicher ist er damit der einzige Mensch, der einen 10000 Jahre oder mehr alten Zahn hat. Mittlerweile ist es außerdem ein Glücksbringer wie er sagt. Wir haben auf jeden Fall schon viel über seine Witze zu diesem Thema gelacht. Victor ist auch sonst ein super lustiger Mann. Manchmal sieht er aus wie Sean Connery, manchmal wie ein strenger Offizier, manchmal wie ein Clown. Eine starke, sehr vielseitige Mimik, gepaart mit seinem charmanten Humor, seinem Gitarrenspiel und der Gesangskunst hat er das Team schon oft herzlichen zum Lachen gebracht. Ich denke er sollte aufgrund seiner Sprachbegabung entweder Radioreporter oder aufgrund seines zweifellos starken Schauspieltalents Fernsehschauspieler werden. Vielleicht liest das ja ein Produzent.

07.02.2010: 112. Kurzmeldung (14:40 Uhr MEZ)

Am Freitag besuchten wir auf Einladung das Gericht der Stadt Providenia, lernten etwas über russisches Recht und wie Verhandlungsräume aussehen. Ein anschließendes Gespräch mit den Richtern war sehr interessant und bedeutete mir einmal mehr das Vertrauen, das man in uns hat. Gestern hatten wir dann unseren letzten - mit der Administration vereinbarten - offiziellen Schulbesuch. Es war die Sportschule. Diese befindet sich in der Skibase. Über 50 Kinder waren da, es war ein großer Spaß. Wie immer brachten wir Schokoladen mit (insgesamt haben wir schon hunderte Schokoladen an Kinder in Tschukotka verteilt und der kleine Laden in dem wir diese z.B. in Providenia immer kaufen hat Schokoladenhochsaison) und machten unser Frage/Erklärungsspiel.

Hier in Providenia haben wir übrigens die östlichste Skipiste Russlands und die zweit westlichste der Welt. Wie das geht?
Der östlichste Teil Russlands liegt im westlichsten Teil der Welt und der westlichste Teil der Welt liegt im östlichsten Teil Russlands.

Zur Erklärung: Der 180. Längengrad liegt zwischen Belibino und Egvekinot. Ca. 40 km vor Egvekinot. Damit ist alles was weiter im Osten Russlands liegt, im Westen der Welt. Das heißt, der westlichste Teil der Welt liegt im östlichsten Russland. Egvekinot ist somit eine der westlichsten Siedlungen, hat gleichzeitig die westlichste Skipiste der Welt (Providenia die Zweitwestlichste), Providenia hat aber die östlichste Russlands (danach gibt es nichts mehr).

Am heutigen Tag waren wir dann eingeladen selbst die Piste zu testen. Ein Abenteuer für sich und bemerkenswert zugleich wie man hier Freude bereitet. Natürlich ist alles einfacher gemacht, aber genial in der Funktion. Es war dann wie Urlaub fürs Team. Das anschließende Abendessen bei Ludmilla und ihrer Tochter runden zwei gute Tage ab.

08.02.2010: 113. Kurzmeldung (12:41 Uhr MEZ)

Bezüglich der Teilelieferung habe ich mich entschieden die Personen der AEWC in Alaska nicht länger zu bitten. Wir haben nun einen anderen Weg gefunden die Teile nach Providenia zu bringen. Ich hoffe sie treffen am Donnerstag ein, auch wenn wir sehr schlechtes Wetter mit Sturm und viel Schnee erwarten. Mal sehen wie es wird. In jedem Fall liegt alles in Nome bereit.

Interessant auch was wir erfuhren:
Wir seien die erste Expedition überhaupt, die Providenia mit Radfahrzeugen aus Europa erreicht haben, sagte man uns, und Rudi und ich die ersten Deutschen, die hier auf der östlichsten Piste Russlands Ski gefahren sind. Nicht schlecht.

09.02.2010: 114. Kurzmeldung (11:43 Uhr MEZ)

„Robota robota robota“ wie es auf Russisch heißt wenn man arbeiten meint (geschrieben von mir wie auf Deutsch gesprochen). Den ganzen Tag Trailer umgebaut bei -30°C in riesiger Halle für Schiffe - saukalt. Morgen/ übermorgen nochmal.
Ich habe auch einige Bilder geschickt wie wir (Rudi zum Beispiel) beim Arbeiten aussehen, wie die Trailer jetzt aussehen, samt Skischuh vorne. Den brauchen wir wenn die Trailer an langen 25-Meter-Seilen über zwei große Buchten hinter den Autos hergezogen werden. Zusammengehängt zu fahren wäre wegen der Gefahr des Einbrechens zu gefährlich.

Und Neuigkeiten aus Providenia City:
Morgen soll der Gouverneur von Tschukotka mit einer Delegation hier eintreffen. Mal sehen ob wir ihn vielleicht während seiner Fahrt durch Providenia sehen können.

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BlueGerbil | 4. Februar 2010 23:54

Neue Bilder der Expedition sind online: http://bit.ly/aw90cD

04.02.2010: 110. Kurzmeldung (14:26 Uhr MEZ)

Beide zurückliegende Tage kosteten Nerven ohne Ende - hab ich überhaupt noch welche? - da ist ein schwerer Pass mit Schnee nichts dagegen. Aber na ja. Derzeit keinerlei Fortschritte bei dem Flug, Rückschritte bei einem Lieferanten, dass es mir die Füße weghaut und gleichzeitig den Kopf sprengt. Ich muss mich an so vielen Stellen ärgern, dass ich meine die Höllenhunde marschieren.

Die gute Nachricht: das Team ist top und hält zusammen, auch wenn die Tage des Wartens nicht einfach sind. Die Disziplin ist da, wir reißen uns Tag für Tag zusammen, lassen es nicht schleifen. Jeden Tag reparieren wir ein Stück mehr, sodass Rudi schon scherzhaft von der Ausbildung zum Automechaniker auf dem zweiten Bildungsweg spricht. Ich denke er macht eine Werkstatt auf wenn er zurückkommt. Heute nahmen wir uns den ersten Anhänger vor. Da wir mit F2 und einem Trailer in heftiges, tiefes Nalid Eis hinter dem Pass eingebrochen waren und es uns dabei die vordere Achse an dem Trailer zerstört hat, haben wir das zum Anlass genommen und bauen nun beide Trailer auf Einachsbetrieb um, kürzen sie bis auf ein Minimum und versuchen maximal Gewicht einzusparen. Die Trailer erhalten zur Stabilisation noch einen schwenkbaren Ski an der Deichsel und ab geht’s. So ist zumindest der Plan - was draus wird sehen wir mal.

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PNY - neue Bilder!

BlueGerbil | 2. Februar 2010 14:15

Dank der nun anständigen Internet-Verbindung gibt´s einen Haufen neue Bilder:

Teil 1: http://bit.ly/bpGskP
Teil 2: http://bit.ly/9DlAkK

Ein paar Impressionen:

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PNY Tagesbericht 29. Januar - 01. Februar 2010

BlueGerbil | 1. Februar 2010 23:15

29.01.2010: 107. Kurzmeldung (01:12 Uhr MEZ)

Wir haben gerade alle Hände voll zu tun und versuchen händeringend eine Transportlösung für die defekten Achsteile zu finden. Sorry, dass ich nicht viel schrieb.

Wer uns helfen will und entsprechende Kontakte hat oder schreiben will, könnte die Alaska Native Wale Commission ansprechen.

Alaska Eskimo Whaling Commission
PO Box 570
Barrow, AK 99723-0570
Phone 907-852-2392
Fax 907-852-2303

Im Auftrag dieser Kommission wird am 08.02.2010 ein Flug von Nome, Alaska nach Providenia, Russland durchgeführt. Können die Teile da nicht mitfliegen, kommen sie erst Ende Februar an und unsere Chancen die Beringstraße rechtzeitig zu erreichen schwinden.

Leider lehnt diese Kommission die Mitnahme unserer zwei Reisetaschen mit den Ersatzteilen auf einem halb leeren Flug kategorisch ab. Wir kennen die Gründe nicht. Alle anderen involvierten Parteien würden es möglich machen. Die finale Entscheidung liegt aber bei der Alaska Native Wale Commission.

Vielleicht gelingt es uns ja gemeinsam diese Kommission doch noch dazu zu bewegen unsere zwei Taschen mitzunehmen.

30.01.2010: 108. Kurzmeldung (03:09 Uhr MEZ)

Von mittlerweile verschiedensten Seiten bitten wir die Alaska Native Wale Commission - selbstverständlich gegen Bezahlung - auf ihrem Leerflug (!!!!!) von Nome nach Providenia unsere zwei Reisetaschen mitsenden zu dürfen. Sie lehnen kategorisch ab. Wir haben keine Ahnung warum, haben weder den Personen, noch der Kommission je etwas Schlechtes getan. Keiner versteht diese Haltung. Das Einzige was man uns vorschlug: Wir sollen den gesamten Flug bezahlen, dann dürfen wir die zwei Reisetaschen mitschicken.
So etwas würde es in Russland niemals geben, niemals, niemals. Wenn hier jemand Hilfe braucht, dann hilft man. Und wir sind keine Schmarotzer, die um kostenlose Hilfe bitten. Wir bitten lediglich um eine Genehmigung zwei Reisetaschen gegen Bezahlung auf einem Leerflug mitsenden zu dürfen. Unglaublich, wirklich unglaublich.

31.01.2010:

Die zurückliegenden Tage waren geprägt von extremer Telekommunikation around the clock and around the world. Hammer, echt. Von Providenia über Egvekinot, Anadyr, Moskau, Frankfurt, Darmstadt, Limburg, Mainz, Los Angeles, Anchorage, Nome, Barrow und zurück. Mit allen versuchten wir die defekten Achsenteile zu beschaffen und schnellstens nach Providenia zu bringen. Aktuell hat unser Partner Dynatrac die Teile angefertigt und auf den Weg nach Nome geschickt. Von dort steht nun noch die Genehmigung für den Weitertransport nach Providenia aus, an dem wie erwähnt einige Stellen in der Kommunikation mit der Alaska Native Wale Commission arbeiten. Davor und dazwischen bockten wir beide Fahrzeuge mit den bekannten Siemens “Lufthaken” und Holztechniken spektakulär über einer Grube freischwebend auf, nachdem wir diese in stundenlanger Arbeit leergeschaufelt und uns dank der Administration und der technischen Schule in Providenia eine klasse Werkstatt eingerichtet hatten. Wir zerlegten die Autos, stellten u.a. fest dass Lenkungsteile und die Rahmen beider Jeeps im Bereich der Lenkungsaufnahme auseinander gebrochen sind, an weiterer Stelle beginnen zu brechen, konstruierten neue Rahmenteilstücke, erhielten neue Servolenkungsteile, fanden viele weitere gebrochene oder beschädigte Teile bei der Überprüfung an verschiedensten Stellen der Autos, hatten und haben einen Haufen Arbeit vor uns um die Fahrzeuge wieder fit zu machen, usw.

Dazwischen mussten wir noch sehr schlechte Heimatnachrichten unseres Kameraden Rudi Dexl verarbeiten, unseren treuen Weggefährten und Kameraden Wolfgang Weigl verabschieden, der ein 1a Kamerad war, und hoffentlich nach kurzem Aufenthalt in Deutschland wieder zu uns kommen kann, musste ich vieles sehr Ärgerliche aus Deutschland bearbeiten, usw. Schnauze voll sozusagen, aber nicht unter Wasser.

Nun die erfreulichen Dinge:

Noch bevor Wolfgang abfuhr, schrieb er zu Ehren der Expedition ein Lied. Es wurde zur Expeditionshymne und wird oft gesungen. Der Liedtext siehe unten.

Wie ich nicht müde werde zu betonen, kennt die Gastfreundschaft Russlands kaum Grenzen. Eine der Traditionen, die Russlands Gastfreundschaft mit bezeichnen, ist die gemeinsame Banja (russische Sauna). Archaisch. Nackte Männer wie sie geschaffen sind, die gemeinsam schwitzen, ebenso nackt überwiegend mit Fingern bestes und frischestes Essen essen, trinken, sich erzählen und Freundschaft zelebrieren. Zwei mal bereits durften wir hier in Providenia zu Gast sein. Valerie und seine Freunde bereiten immer alles ausgezeichnet vor.

Eine nette Story in diesem Zusammenhang zum Thema Frisör. Seit Monaten war ich schon nicht mehr bei Einem. Durch meinen üppigen ;-) Haarwuchs (an leider nicht allen Stellen) sah das mittlerweile wild aus. Ich fragte mich durch. Einen richtigen Shop gibt es hier in Providenia nicht. Konstantin, einer unserer Skidooguides, holte mich dann eines Abends mit seiner Taschenlampe in der Werkstatt ab, führte mich durch den Schneesturm, über Schneeverwehungen, anschließend durch eine riesige, stockdüstere, alte Industriehalle, vorbei an Metalllagern, Kettenfahrzeugen, durch knarrende Türen, Metalltreppen hinauf, durch Korridore bis zu einen Umkleideraum, der zu besten Zeiten über 100 Männern zum Umziehen diente. In einer Ecke stand ein Stuhl, eine kleine Lampe brannte, ein alter Spiegelrest hing an einem Spind. Ein Rasierapparat lag da und ein liebenswerter Freund von Konstantin wartete fast nackt im Halbdunkel extra auf mich um mir die Haare zu rasieren. Ich erklärte nichts, sagte nur per Zeichensprache: „Bitte gutaussehend”, verlies mich drauf und erhielt, außer vielem russischen Lachen eine tadellose Kurzhaarfrisur. Wow. Später sollte eben genau in diesen Räumen die Sauantreffen stattfinden.

Alles geht hier eben etwas anders, du musst dich auskennen, dich anpassen. Russland wird dich gut behandeln und der alte russische Spruch: „Je kälter die Gegend, desto wärmer die Menschen“ stimmt hier in diesem gigantischen Land immer.

Zwischenzeitlich sind gleich zwei schwere Blizzards über Tschukotka hinweggefegt. Sie brachten in Egvekinot, der Mitte und dem Norden soviel Schnee, dass selbst Vestichotfahrer Respekt vor den Massen haben. Es gibt keine Wege – Egvekinot versinkt im Schnee. Wir hätten nicht einen Tag später aufbrechen dürfen. Wieder eine starke Bestätigung für unsere Routenwahl entlang des Südens.

Wieder einmal herbeigeführt durch einen absolut Fremden, diesmal am Flughafen in Anadyr, dem ich, aus welchem inneren Grund auch immer nach kürzester Zeit vertraute, obwohl alle Anderen anderer Meinung waren, und der uns zu 100% die richtige Strecke wies. Wie unglaublich. Dieser Mann übrigens wurde später zu einem unserer Guides per Skidoo. Und weil wir schon dabei sind hier noch eine weiter Fügung oder wie heißt sowas? Heute besuchten wir im Rahmen unseres kleinen “Kulturaustausches” (Besuch verschiedener Schulen, öffentlichen Einrichtungen, etc.) auf Einladung die Bibliothek der Stadt. Anwesend war neben Anderen - wie von guten Geistern bestellt - ein ruhiger, besonnen wirkender Mann, der wie sich rausstellte über zwanzig Jahre von Uelen aus die Eisdicken bis zum Radmanov island (Big Diomed) vermessen hat, der die Beringstraße und ihr Eis wie seine Westentasche kennt, der Informationen für uns über die Strömungen hat, die nur Wenige kennen, der uns noch mit seinem Freund bekannt machen will, der ihn in all den Jahren auf dem Wis der Beringstraße mit einem russischen Kettenfahrzeug begleitete und uns helfen möchte. Wie genial ist das denn??!!

Für heute endete der Text. Ich werde mich bemühen ab sofort wieder kurze Texte zu schreiben, was zwischendrin einfach nicht möglich war.

Ganz herzliche Grüße noch vom Team an alle - Team ist wohl auf.

Liedtext:

1. Früh morgens um halb Achte steh‘n wir auf und steigen auf die Jeeps hinauf ://

Refrain //: Darum aufgeschaut, fest auf’d Steine g’schaut und auf seinen Kamerad vertraut. Seil her. ://

2. Das Jeschke Team ist immer super drauf, fährt jeden steilen Berg hinauf://

R //:

3. Jefgeny ist der Mann der Navigation und schießt auch schöne Fotos schon ://

R //:

4. Der Victor ist der Mann für alle Fäll’, löst jedes Problem super schnell. ://

R //:

5. Matthias pflegt Kontakt in alle Welt, drum geht’s uns gut auf jedem Feld. ://

R //:

6. Tschukotka live ist eine Reise wert, drum sind wir hier für’s Leben lehrt. ://

R //:
* Melodie mit Noten kommt noch.

01.02.2010: 109. Kurzmeldung (11:23 Uhr MEZ)

Genial, unser Freund Dimiti hat heute seinen bekannten “Oleg” zu uns in die Wohnung geschickt. Ein Mann mit besten Verbindungen in Satellitenleitungen. :-)

Er hat uns über TV eine Internetverbindung gebastelt vom Allerfeinsten und wir können - endlich mit Aussicht auf Erfolg - versuchen ein paar Bilder zu schicken. Das versuchen wir nämlich seit Tagen - und die Satellitenanlage von F1 geht in der abgeschirmten Halle nicht. Auf unserer Tagesordnung heute stand außerdem der offizielle Kindergartenbesuch und herzlicher Empfang dort.

Derweil arbeitete Jefgeny mit unserem Schweißer-Freund Valerie an der Neukonstruktion der Lenkungsteile und schweißt am F2 schon einen Großteil der Sonderkonstruktion an.[/quote]

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PNY - Aktuelle Impressionen

BlueGerbil | 25. Januar 2010 22:37


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PNY Tagesbericht 20.-21. Januar 2010

BlueGerbil | 22. Januar 2010 10:36
20.01.2010: 102. Kurzmeldung (11:05 Uhr MEZ)

Haben die Nacht und den heutigen Tag gut verbracht. Das Wetter ist noch stabil. Heute oder morgen werden wir uns noch mit unseren russischen Helfern über die Passhöhe winchen und ziehen, und dann versuchen über das Eis der Providenia-Bucht nach Providenia zu fahren. Sollte das Eis der Bucht nicht tragen, müssen wir über einen zweiten Pass als Umfahrung. In Providenia können wir dann eine detailierte Schadendiagnose und Reparaturen durchführen. F2 können wir kurzfristig instand setzen. Bei F1 wird es schwieriger, das wird ein paar Tage länger dauern. Wir werden versuchen in jedem Fall so schnell wie möglich weiter zu fahren. Aktuell rechnen wir mit zwei Wochen Standzeit in Providenia.
Wer also noch zu uns kommen will, zum Team dazu stoßen und mitfahren will, ist herzlich willkommen. Alle Infos dazu bei Jürgen Graf, Astrid Wallner und Jan Liska.

20.01.2010: 103. Kurzmeldung (15:22 Uhr MEZ)

3 Uhr morgens. Wir haben Providenia nach schwerer letzter Etappe erreicht.
Die Bremsleitung am F2 ist abgerissen, Reifenschaden an F2, am Trailer von F1 ist die Achse verbogen, wir sind in Nalid Eis eingebrochen. Alle Teammitglieder sind erschöpft, aber wohl auf, von dunklen Augenrändern, Bärten, schwarzen Händen, Körpergerüchen, feuchten Schuhen, aufgeplatzten Fingern, gerissenen Fingernägeln, und anderem Zeug mal abgesehen.

Wir melden uns.

15.01.-20.01.2010: Bermudabericht

Hier die fehlenden Erlebnisse /Vorkommnisse:

Es begann damit, dass am 15. nur 300 m hinter der Fischerhütte am F1 der Keilriemen wieder wegflog. Kurz vorher waren wir mit F1 in Nalid Eis eingebrochen und hatten viel Gas geben müssen um da durchzukommen. Eisplaten blockierten zu allem Überfluss noch beide Räder der rechten Seite des Anhängers. Also führten wir auf dem Eis eine Notreparatur mit beinahe nassen Füßen durch, wobei wir entschieden wieder den alten, schon schwer beschädigten Riemen zu montieren um nicht die neuen Riemen für den bestehenden Schaden zu verheizen. Irgendwann ging es weiter, wir fuhren auf eine Flussmündung zu. Da F1 keine Servolenkung mehr hat, ist das Lenken extrem hart. Teilweise ist es trotz aller Kraftaufwendung unmöglich alleine zu lenken, also hilft der Beifahrer mit. Bei einem der Manöver auf dem Weg aus der Flussmündung schlug es uns plötzlich das Lenkrad mit voller Wucht aus der Hand - wir hatten mit dem Doppelbereifungskäfig einen schweren Stein getroffen, haben jedoch bis auf eine total verstellte Spur und ein schiefes Lenkrad glücklicherweise sonst keine Schäden, wie gebrochene Teile oder so.
„Glück gehabt“, dachten wir als 2 km weiter der Riemen wieder abspringt. Jetzt ist er so zerfetzt, dass nur noch zwei Rillen laufen, die restlichen schneiden wir weg.
Einige Kilometer weiter treffen wir an einem Steilhang auf etwas, das wie Geister und Engel in einem wirkt. Es ist ein schier riesiges russisches Kettenfahrzeug, das uns beim näher kommen baff machte. (Etwa Lokomotivengröße samt Besatzung.) Verwegene Männer auf dem Weg nach nirgendwo und irgendwo. Wir werden auf das herzlichste begrüßt, trinken, essen etwas zusammen, reden. Dann geschieht etwas, das ich im Nachhinein als unglaubliche positive Gabe des Bermuda oder der Kräfte um uns herum verstand, in der Situation jedoch nicht. Einer der Männer nimmt meine Hand, sieht mir tief in die Augen, legt seine Armbanduhr ab und schenkt sie mir als sein Zeichen der Verbundenheit (ich trage sie seitdem am rechten Arm - links meine). Und als wir draußen stehen, schenkt er mir und Rudi jeweils eine selbstgemachte, schussbereite Schrotpatrone - dabei nimmt er wieder meine Hand, legt die Patrone rein, verschließt meine Hand und drückt sie an meine Seite. Ich bin irritiert. Ich mag Waffen nicht sonderlich, bin kein Jäger oder so. Warum schenkt er mir ein Bauteil zum Töten? Dennoch nehme ich an, stecke die Patrone in meine Jackentasche. Rudi macht es ebenso. Wir machen noch Erinnerungsfotos, dann fahren wir in unterschiedlichen Richtungen auseinander.
Etwas weiter, vielleicht 1,5 km - wir sind schon ziemlich ausgepowert es ist Nacht und fahren wie gewohnt mit Heizung auf volle Stufe, sechs Scheinwerfer an, zwei Laptops laufen, ein Funkgerät, GPS-Geräten, Radio, drei Akkuladestationen hängen an 220 V, das Satellitentelefon lädt, usw. - kriegen wir ein Warnsignal vom IBS Computer, dass der Ladezustand der Fahrbatterie (insgesamt haben wir drei Batterien an Bord) gegen Null geht. Verflixt und zugenäht. Was ist denn das jetzt schon wieder? Wir stellen fest, dass die Lichtmaschine nicht mehr lädt, obwohl der Riemen diesmal drauf ist. Wir haben bei der Eiseskälte, der Dunkelheit und Müdigkeit jedoch keine Ressourcen mehr den (in meinen Augen) Elektrikfehler zu suchen. Also entscheiden wir sämtliche Verbraucher auszuschalten (d.h. auch Licht und Heizung aus), um so lange wie möglich mit dem Strom, den F1 noch hat, fahren zu können. Einige Kilometer fahren wir noch eng beieinander weiter, wobei F1 ohne Lenkung, Licht, Heizung und ausschließlich im Restlicht vom hinten fahrenden F2 den Weg sucht. Irgendwann sind wir jedoch völlig erschöpft, haben die die Lenkung am F2 haltenden Gurte zum x-ten mal gefixt, hat Jefgeny noch eine beinah gefrorene Nase, als wir beschließen stehen zu bleiben. Wir hoffen bis zum Morgen mit dem verblieben F1 Strom durchzuhalten und schalten den Motor von F1 aus, wärmen uns mit der Webasto-Heizung, die uns auch in den nächsten Tagen unschätzbare Dienste leisten sollte (uns vor der extremen Kälte schützte).
Am nächsten Tag, dem 16. reicht die mentale Kraft wieder um zu erkennen, dass das Lichtmaschinen-, nicht Ladeproblem ausschließlich von dem zu schwachen Anpressdruck des defekten Riemens herrührt. Wir nehmen nun einen Neuen: F1 hat wieder Strom. Gott sei Dank. Was wird das nächste Teil, das den Geist aufgibt? Es ist die Servopumpe, die wir ohne Öl laufen lassen müssen und deren Hauptlager dadurch kaputt gegangen ist. Sie wird als Umlenkung für den Rillenriemen allerdings dringend benötigt. Ohne sie kein laufender Riemen, ohne Riemen keine Lichtmaschine, keine Wasserpumpe, keine Chance den Motor laufen zu lassen. Wir haben keine andere Chance, wir müssen die Pumpe irgendwie reparieren. Also zerlegen wir sie komplett, stellen fest dass die Lager sich auf der Welle festgefressen haben. Also funktionieren wir in stundenlanger Feilarbeit alles so um, dass die Lager nun außen gleiten, füllen die Pumpe anstatt mit Öl mit bestem Gleitlagerfett und hoffen dass es hält. Zehn Stunden später ist auch diese Lösung Vergangenheit als sich die alten Lager völlig ausschlagen. Nächste Notlösung ist, den hinteren Anschlag der Pumpe so zu verändern, dass die Pumpe unter hoher Spannung steht und so stabilisiert wird. Diese Lösung hält einen Tag und eine Nacht. Am nächsten Morgen wache ich früh von lauten Klackergeräuschen auf und stoppe sofort den Motor. Noch bevor die Anderen wach sind habe ich zum zehnten Mal die besch***ne Pumpe ausgebaut. Jetzt ist wirklich fast alles kaputt an dem Ding, die Lager so ausgeschlagen, dass sie mir entgegenfallen. Was nur tun? In max. 2-3 Stunden ist wieder alles eiskalt, der Motor gefroren. Wir haben Temperaturen um -35°C. Die Anderen wachen auf, wir stehen zusammen. Wie sollen wir das schaffen? Unsere Skidoofreunde Vladimir und Konstantin reden wild auf Viktor ein, als plötzlich das Wort “patron” (im Sinne Boss, Chef, Verantwortlicher) fällt. In dem Moment macht es klick. Ich stehe auf, suche die “Patrone”, die mir der Unbekannte schenkte. Ich sehe sie mir an und denke: „Das könnte gehen.“ Vorsichtige öffnen wir sie, entleeren den tödlichen Inhalt, sägen sie ab, dann der Länge nach auf und drehen eine Hülse draus, dann noch die Zweite. Das Unglaubliche dabei: Beide Patronen zusammen ergeben das absolut perfekte Lager für die Servopumpe, mit einer Passung dass man es für Unmöglich hält. Noch heute, am 21.01., läuft sie nur mit ein bisschen Fett innen drin ohne jedes Geräusch, ohne Spiel, wie ein Uhrwerk. Dieser Mann hat unser Fortkommen gesichert, wir konnten uns vor der Kälte schützen, weiterfahren, etc.

Unglaublich – Bermuda.

Als dann Rudi noch aus allem Möglichen und den Resten des Rentiers, das wir kauften auf unnachahmliche Art ein tolles Essen zaubert, sieht die Welt wieder gut aus.
Es folgen die Tage des Passes, die Strapazen dort und der Durchhaltewillen des Teams. 800 Meter vor der Passhöhe - als wir schon fast dachten wir würden Bermuda gegen alle Kräfte bezwingen - hat es uns dann doch mit einem unreparierbar harten Streich besiegt.
Wir sind nun nach weiteren rund 40 Stunden kurz vor Providenia. Das Wichtige ist: In ca. drei Stunden werden wir den Sturm in Häusern aussitzen, diskutieren und an den Autos arbeiten können.
Bermuda war in jedem Fall die Härte - ein Kampf gegen Mystik, Mythen, Unsichtbares, mit wunderbaren und faszinierenden Momenten zwischendrin und einem unglaublich starken Team.

21.01.2010: 104. Kurzmeldung (03:34 Uhr MEZ)

Stehen noch auf der Straße vor Providenia. Reden, verhandeln, suchen einen Stellplatz für die Trailer und einen Reparaturplatz für die Fahrzeuge. Vielen Menschen kamen schon raus zu uns, begrüßten uns, überlegen wie sie helfen können, unterschrieben auf den Autos, geben uns Kaffee, Tee, einen Platz im Büro einer kleinen Werkstatt. Wir aßen nach langer Zeit mal wieder ein frisches Brot und kein tiefgefrorenes Cross. Ein Teil des Teams schlief heute ein paar Stunden in einem russischen Kettenfahrzeug, das in einer Halle stand - endlich mal gerade ausgestreckt wie ich hörte :-)
Wir werden, denke ich, in den nächsten Stunden, evtl. Tagen Lösungen finden. Eben bot man uns zum Aufwärmen und Saubermachen schon mal eine russische Sauna an.
Mal sehen. In jedem Fall sehr freundlich. Soeben erhielt ich Nachricht, dass wir zumindest schon mal zwei Stellplätze für die Trailer haben werden.

21.01.2010: 105. Kurzmeldung (09:43 Uhr MEZ)

Trailer stehen sicher in bzw. vor einer Halle. Wir haben seitens der sehr sehr freundlichen Bürgermeister hier eine Wohnung gefunden in der wir die ganze Zeit unseres Aufenthaltes bleiben können und in der wir uns gerade einrichten. Sie steht leer, ist aber warm, hat eine Toilette, eine Dusche und Teppichboden. Gerade brachte man uns auch noch einen kleinen Tisch. Wir schlafen in bzw. auf unseren Schlafsäcken auf dem Boden und sind sehr froh über diesen Platz zum Wohnen. Die Fahrzeuge stehen noch auf der Straße. Morgen soll entschieden werden wohin, wegen der Reparatur.
“Warme Boxen” in denen zumindest Temperaturen um Null herrschen sind selten und wenn, dann in jedem Fall belegt. Mal sehen. Werden jetzt erst mal etwas kochen und ein russisches Bier genießen. Wir haben es uns verdient.

Providenia an sich liegt unmittelbar an einer Bucht. Wie gemalt erheben sich die Berge vor und hinter der Stadt. Steht man an der Bucht, schaut man Richtung Meer und geht wie heute die Sonne blutrot unter, könnte das ein Maler nicht schöner zeichnen. Dazu Temperaturen um -10°C lassen einen schon mal vergessen mit welchen Anstrengungen sich die Menschen hier gegen die Naturgewalten stemmen. Der Orkan, der in den nächsten Tagen über uns hinweg rollen wird, wird uns das aber sehr deutlich wieder vor Augen führen.

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PNY Tagesbericht - 19. Januar 2010

BlueGerbil | 19. Januar 2010 23:50
19.01.2010: 100. Kurzmeldung (00:16 Uhr MEZ)

Müssen hier unbedingt raus. Gestern kam eine sehr schlechte Wettermeldung rein – am 21./22.01. wird ein Sturm mit Schnee, Schneeverwehungen und Windstärke 9-10 und Orkanböen erwartet. Wir haben nur noch zwei Tage. Das müssen wir schaffen. Wir haben die ganze Nacht durchgearbeitet, geschaufelt wie die Verrückten, und gewincht. Weitere 200 Meter entlang des schrägen Hanges geschafft - eine absolute Herausforderung gemeistert. Noch 1,7 km zur Passhöhe.

19.01.2010: 101. Kurzmeldung (05:04 Uhr MEZ)

800 m vor der Passhöhe, nach unendlich lang erscheinenden Tagen, Nächten und Anstrengungen: Achsenprobleme an F1 und F2. Organisieren gerade Unterstützung und Hilfsfahrzeug. Team großartig. Haltung bewahren. Wir haben alles, wirklich alles gegeben bis hierher. Haltung bewahren / Haltung bewahren - sehr harte Geschichte.

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PNY Tagesbericht - 17.-18. Januar 2010

BlueGerbil | 18. Januar 2010 18:47
17.01.2010: 96. Kurzmeldung (05:32 Uhr MEZ)

17 Uhr. SIND IMMER NOCH MEHR ODER WENIGER AN DER GLEICHEN STELLE WIE GESTERN. DIE ENTFERNUNG ZUM PASS BETRÄGT NACH WIE VOR RUND 5 KM, ABER WIR SIND JETZT AUF DER HÜGELKETTE FÜR DIE UMFAHRUNG.

Haben gestern acht Stunden gebraucht um mit beiden Autos und Anhänger den Hang hochzuwinchen. Habe heute Morgen aus zwei Schrotpatronen ein neues Lager für die Servopumpe bauen müssen, weil es wieder defekt war. Gestern kamen sechs Personen aus Providenia - wo man uns erwartet - um zu sehen wie es uns geht. Wir wurden von dem Leiter der Administration, dem Leiter des Grenzdienstes der russischen Truppen, Vertretern von MCS und Anderen auf das Herzlichste begrüßt.

Unglaublich, wirklich. Später mehr im Hauptbericht. Teamgemeinschaft top. Team wohl auf.

17.01.2010: 97. Kurzmeldung (21:42 Uhr MEZ)

Haben heute 2,1 km geschafft. Sehr harte Arbeit. Wege suchen und Schneefelder durchstoßen bis zum Abwinken. Aber die Umfahrung hat funktioniert. Am F1 läuft noch alles ok. Das Team ist wohl auf.

18.01.2010: 98. Kurzmeldung (08:06 Uhr MEZ)

Haben heute 1,6 km geschafft. Die Passhöhe ist jetzt noch 1,9 km entfernt. Ohne Ende Tiefschnee. Wir winchen und schaufeln - härteste Belastung für jeden Einzelnen. Kälte, Anstrengung, Schlafmangel, aber jeder gibt alles. Einfach stark das Team. Kein Streit, nichts. Ich bin wirklich begeistert von jedem/über jeden Einzelnen. Wie die Siedler damals - Meter für Meter in unbekanntem Land.

18.01.2010: 99. Kurzmeldung (12:49 Uhr MEZ)

Gehen buchstäblich auf dem Zahnfleisch. Dieser besch***ene Pass.

Es reicht echt. Man oh man. Vorhin hatte ich eine Wut im Bauch. Naja, danach hatte der Schnee ein Einsehen. Er gefror etwas mehr und wir schafften soeben 800 m in zwei Stunden. Jetzt stehen wir mit beiden Fahrzeugen und Trailern schräg in einem Hang - auf einem kleinen Plateau - 1,2 km von der Passhöhe entfernt. Wir werden heute Nacht versuchen mit dem F1 noch einen Track zu legen und uns dabei an den Stäben orientieren, die ich heute bei Tageslicht steckte (wenn wir sie bei Nacht finden :-)). Der Schnee hier treibt einen zum Wahnsinn. Die Oberfläche hart wie Beton, darunter Pulver wie Puder. Bricht die oberste Schicht, dann bricht der Reifen ein, dann gibt es keine Traktion mehr. Diese Schneeart ist total unterschiedlich zu zum Beispiel Jakutsk, wo wir Pässe zwar nicht einfach, aber doch überfahren haben. Hier hat jeder die Hände voller Schwielen vom Schaufeln und die Nase voll vom “Pass”.

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