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05.03.2010: 141. Kurzmeldung (01:46 Uhr MEZ)
7 Uhr. Der Sturm hat für kurze Zeit etwas nachgelassen. Das gab uns die Möglichkeit in fünf Stunden den Lüfter von F2 zu reparieren. Wir müssen F2 noch besser mit Schnee zu schützen, einen Toilettenschutz bauen (Iglustyle), auch um unter zumindest erträglicheren Bedingungen nachtanken zu können, wenngleich es immer noch heftig ist. Wir haben die Standsituation aber verbessern können.
Ein Aufbrechen ist jedoch nach wie vor nicht möglich. Die Sicht liegt bei unter zehn Metern.
Das Team ist wohl auf, die Stimmung gut, die russisch-deutsche Freundschaft sehr stark, ausgezeichnete Kameradschaft. Die Motoren laufen. Position unverändert.
05.03.2010: 142. Kurzmeldung (20:46 Uhr MEZ)
6 Uhr. Nach der dritten Nacht am dritten Tag hat der Sturm heute Morgen nachgelassen. Es ist weniger Schnee in der Luft. Die Sicht beträgt ca. 50-60 m.
Wir werden beginnen die Autos auszugraben, die Achsen und Getriebe mit dem Webasto-Heißluftstrahl aufzutauen (das Öl ist gefroren, so können wir nicht los). Das wird ca. acht Stunden dauern. Danach - sollte das Wetter so bleiben - versuchen wir hier wegzukommen.[/quote]
06.03.2010: 143. Kurzmeldung (01:29 Uhr MEZ)
11 Uhr. Wir haben F1 ausgegraben und versuchen eine Spur zu machen. Die Brennerlampe geht nicht. Der Sturm bläst auch den Webastostrahl weg, den wir versuchten auf die Achsen zu lenken. Also können wir das Öl nicht erwärmen – wir müssen es so versuchen.
Die Sicht ist bisher stabil bei ca. 50 m. Hoffentlich schaffen wir den “Ausbruch”
14 Uhr. Wir sind gestartet.
06.03.2010: 144. Kurzmeldung (05:46 Uhr MEZ)
Der Ausbruch ist geglückt. Wir arbeiten uns Meter für Meter vorwärts. Soeben haben wir zwei schwierige Eispassagen geschafft und damit eine sehr schmale Landzunge erreicht.
Aktuelle Position: N 65°13.176 / W 172°12.393
06.03.2010: 145. Kurzmeldung (09:39 Uhr MEZ)
20.30 Uhr. Gerade haben wir nach einer schwierigen Schrägfahrt und einem Anstieg mit vielen Schneeverwehungen vom Ufer zur Strandpromenade, eine Pause gemacht. Wir haben einen warmen Kaffee getrunken und etwas gegessen.
Draußen stürmt es wieder wie verrückt und wir drehen auch auf, aber diesmal die Musik. Nach den letzten Tagen der Gefangenschaft und dem heutigen Ausbruch freuen wir uns einfach mal. Wir drehen also die Musikboxen auf bis zum Anschlag und schicken uns ein Lied nach dem anderen über Funk.
Dank Christoph hat Rudi einen schier unendlichen Vorrat an Songs aller Richtungen und ich habe auf der Festplatte von F1 genügend Songs um Hitparade zu machen. Na ja, muss halt auch mal sein.
Geil auf jeden Fall dass wir aus dem Schneelager raus sind. Mal sehen ob wir den Pass, der vor uns liegt schaffen.
Vor ca. 3 km hatten wir bei einem Stopp noch festgestellt dass das vordere obere Achslager an F2 ausgebrochen ist, der Langarm rumschlackert. Na ja, wie immer müssen Gurte und Kupferdraht her, eine Portion Kraft zweier Männer, etwas Glück, ein Windschutz, eine Stunde Zeit und das Ding ist so gut wie geschweißt - halt nur mit Stoff. Mal sehen wie lange es hält.
Das Team ist wohl auf. Unsere aktuelle Position: N 65°15.710 / W 172°12.030
06.03.2010: 146. Kurzmeldung (13:15 Uhr MEZ)
23 Uhr. Stark: Bei Schneetreiben, Wind, in der Nacht und teilweise null Sicht haben wir die Passhöhe bei N 65°17.119 / W 172°13.385 erreicht.
06.03.2010: 147. Kurzmeldung (23:56 Uhr MEZ)
Wir bleiben nun stehen um ein bisschen zu schlafen.
Aktuelle Position: N 65°20.164 / W 172°12.642
07.03.2010: 148. Kurzmeldung (01:33 Uhr MEZ)
9 Uhr. Das Wetter ist besser. Die Sicht beträgt ca. 60-80 m, weniger Wind, weniger Schnee.
Nachdem wir nun mehrere Stunden geschlafen haben, werden wir nun weiterfahren.
Unsere Position: N 65°20.891 / W 172°12.383
Haben eben zwei Jäger mit einem russischen Snowmobil getroffen, die auf einem angehängten Schlitten ein Jagdboot aus Walrosshaut hatten. Genial, aber krass dass sie damit wirklich ins Wasser gehen. Die Person muss einigermaßen leicht sein, die Paddel sind kaum 10 cm breit. Interessant wie sie da noch Robben reinholen wollen.
12.30 Uhr. Wir nähern uns weiter Lorino. Heftige Schneewehen erschweren das Vorwärtskommen erheblich. Immer wieder müssen wir den Trailer von F1 abhängen, mit F1 und Sandblechen einen Weg machen, alles wieder verladen, anhängen, und weiter.
Aktuelle Position: N 65°23.002 / W 172°11.084
07.03.2010: 149. Kurzmeldung (05:01 Uhr MEZ)
Eben haben wir eine Fischerschutzhütte bei N 65°24.934 / W 172°09.521 erreicht. Dort trafen wir auf zwei Jägertrupps aus Lorina, die Seehunde jagten. Herzliche Begrüßung. Wir haben jetzt noch ca. 25 km nach Lorino. Jetzt rasten wir kurz, dann nachtanken, dann kämpfen wir uns weiter.
07.03.2010: 150. Kurzmeldung (07:26 Uhr MEZ)
18 Uhr. Wir haben einen spirituellen Platz der Tschuktschen bei N 65°27.359 / W 172°06.597 erreicht. An diesem Platz auf der schmalen Landzunge, auf der wir gerade fahren, ragen Walknochen meterhoch in die Höhe.
Aufgestellt als spirituelles Mahnmal und Gedenkmal. Hier bringt man Opfer wie Victor mir erklärt. So auch wir. Als Vertreter für uns alle ging Victor mit gutem Essen - Lieblingsschokolade, Brot, etc. - um die Knochen und warf/legte den Göttern diese Speisen zur Besänftigung zum Essen vor. Ob es hilft sehen wir. Als Victor wieder ins Auto steigt und einen Moment sitzt, fällt sein Messer, das er fest vor sich ins Armaturenbrett gesteckt hat in den Fußraum. Eigentlich geht das nicht.
Auch nicht wenn man daran zieht und er hatte es zuvor auch nicht berührt. Komisch. Es ist das erste Mal dass es fällt und er meint es ist ein Zeichen, die Götter haben uns gesehen und okay gesagt.
Nun steigt auch Rudi aus, will den Ort selbst besuchen. Eine ganze Zeit steht/verharrt er mit dem Rücken zu uns, sieht in die Ferne.
Vielleicht ist dies wirklich ein magischer Ort.
Mittlerweile ist es dunkel geworden. Keiner spricht ein Wort. Weder im Auto, noch über Funk. Jeder geht seinen eigenen Gedanken nach und irgendwie ist es als stünde die Expedition auch in den Köpfen für einen Moment lang still.
Ich werde hier ein wenig schlafen.
07.03.2010: 151. Kurzmeldung (09:00 Uhr MEZ)
Nach ermüdendem ungefähr 40 Mal Trailer ab-/anhängen, Spur machen, zurückfahren, etc. auf den letzten 5 km haben wir nun den äußersten Zipfel einer Landzunge bei N 65°29.027 / W 172°04.992 erreicht. Damit sind wir nun ca. 15 km vor Lorino. Wir müssen nun ca. 1-3 km über Meereis fahren um auf die andere Landzunge zu kommen. Das hängt jedoch von der Eissituation ab. Bei Nacht gehen wir das jetzt nicht mehr an. Wir warten Tageslicht ab.
Team okay, Kraftstoffreserven okay. F1 Motor stottert wegen Kraftstoffzufuhrproblemen, bei nächster Gelegenheit muss die Benzinpumpe gereinigt werden. Außerdem haben wir heute eine überhitzte Servolenkung gehabt, Luft im System. Das muss in dem Zug, wenn die Achse am F2 geschweißt wird mit repariert werden.
Wir legen uns jetzt schlafen. Es war ein harter Tag.
Categories: Extrem Events
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