PNY Tagesbericht 07-09. Februar 2010

BlueGerbil | 9. Februar 2010 20:11

Neue Fotos der Expedition sind online unter http://www.facebook.com/album.php?aid=144222&id=41595873841

07.02.2010: 111. Kurzmeldung (14:27 Uhr MEZ)

Heute mal eine - von ihm genehmigte - Story über Victor. Als ehemaliger Helikopterpilot kennt er viele Menschen in Tschukotka und mindestens ebenso viele kennen ihn. Oft wird er wiedererkannt, selbst wenn sein letzter Flug an diesen Platz zehn oder mehr Jahre zurückliegt. Menschen, die in den kleinen Villages leben brauchen keine Zeit, sie haben diese in Hülle und Fülle. Einmal fragte Victor einen tschuktschischen Mann, der ihn freudigst begrüßte: “Weißt du eigentlich wann wir uns das letzte mal sahen?” Dieser antwortete: „Na vor ein paar Wintern.“ Aber es war 14 Jahre her.

Nett auch die Story von Victors Zahn. Weil er entweder keine Zeit oder gerade nicht das nötige Kleingeld hatte, fertigt Victor sich einen Zahn aus versteinertem Mammutknochen an. Klar der muss auch mal erneuert werden und so feilt er zeitweise munter an Mammutstückchen, die er immer dabei hat. Ganz sicher ist er damit der einzige Mensch, der einen 10000 Jahre oder mehr alten Zahn hat. Mittlerweile ist es außerdem ein Glücksbringer wie er sagt. Wir haben auf jeden Fall schon viel über seine Witze zu diesem Thema gelacht. Victor ist auch sonst ein super lustiger Mann. Manchmal sieht er aus wie Sean Connery, manchmal wie ein strenger Offizier, manchmal wie ein Clown. Eine starke, sehr vielseitige Mimik, gepaart mit seinem charmanten Humor, seinem Gitarrenspiel und der Gesangskunst hat er das Team schon oft herzlichen zum Lachen gebracht. Ich denke er sollte aufgrund seiner Sprachbegabung entweder Radioreporter oder aufgrund seines zweifellos starken Schauspieltalents Fernsehschauspieler werden. Vielleicht liest das ja ein Produzent.

07.02.2010: 112. Kurzmeldung (14:40 Uhr MEZ)

Am Freitag besuchten wir auf Einladung das Gericht der Stadt Providenia, lernten etwas über russisches Recht und wie Verhandlungsräume aussehen. Ein anschließendes Gespräch mit den Richtern war sehr interessant und bedeutete mir einmal mehr das Vertrauen, das man in uns hat. Gestern hatten wir dann unseren letzten - mit der Administration vereinbarten - offiziellen Schulbesuch. Es war die Sportschule. Diese befindet sich in der Skibase. Über 50 Kinder waren da, es war ein großer Spaß. Wie immer brachten wir Schokoladen mit (insgesamt haben wir schon hunderte Schokoladen an Kinder in Tschukotka verteilt und der kleine Laden in dem wir diese z.B. in Providenia immer kaufen hat Schokoladenhochsaison) und machten unser Frage/Erklärungsspiel.

Hier in Providenia haben wir übrigens die östlichste Skipiste Russlands und die zweit westlichste der Welt. Wie das geht?
Der östlichste Teil Russlands liegt im westlichsten Teil der Welt und der westlichste Teil der Welt liegt im östlichsten Teil Russlands.

Zur Erklärung: Der 180. Längengrad liegt zwischen Belibino und Egvekinot. Ca. 40 km vor Egvekinot. Damit ist alles was weiter im Osten Russlands liegt, im Westen der Welt. Das heißt, der westlichste Teil der Welt liegt im östlichsten Russland. Egvekinot ist somit eine der westlichsten Siedlungen, hat gleichzeitig die westlichste Skipiste der Welt (Providenia die Zweitwestlichste), Providenia hat aber die östlichste Russlands (danach gibt es nichts mehr).

Am heutigen Tag waren wir dann eingeladen selbst die Piste zu testen. Ein Abenteuer für sich und bemerkenswert zugleich wie man hier Freude bereitet. Natürlich ist alles einfacher gemacht, aber genial in der Funktion. Es war dann wie Urlaub fürs Team. Das anschließende Abendessen bei Ludmilla und ihrer Tochter runden zwei gute Tage ab.

08.02.2010: 113. Kurzmeldung (12:41 Uhr MEZ)

Bezüglich der Teilelieferung habe ich mich entschieden die Personen der AEWC in Alaska nicht länger zu bitten. Wir haben nun einen anderen Weg gefunden die Teile nach Providenia zu bringen. Ich hoffe sie treffen am Donnerstag ein, auch wenn wir sehr schlechtes Wetter mit Sturm und viel Schnee erwarten. Mal sehen wie es wird. In jedem Fall liegt alles in Nome bereit.

Interessant auch was wir erfuhren:
Wir seien die erste Expedition überhaupt, die Providenia mit Radfahrzeugen aus Europa erreicht haben, sagte man uns, und Rudi und ich die ersten Deutschen, die hier auf der östlichsten Piste Russlands Ski gefahren sind. Nicht schlecht.

09.02.2010: 114. Kurzmeldung (11:43 Uhr MEZ)

„Robota robota robota“ wie es auf Russisch heißt wenn man arbeiten meint (geschrieben von mir wie auf Deutsch gesprochen). Den ganzen Tag Trailer umgebaut bei -30°C in riesiger Halle für Schiffe - saukalt. Morgen/ übermorgen nochmal.
Ich habe auch einige Bilder geschickt wie wir (Rudi zum Beispiel) beim Arbeiten aussehen, wie die Trailer jetzt aussehen, samt Skischuh vorne. Den brauchen wir wenn die Trailer an langen 25-Meter-Seilen über zwei große Buchten hinter den Autos hergezogen werden. Zusammengehängt zu fahren wäre wegen der Gefahr des Einbrechens zu gefährlich.

Und Neuigkeiten aus Providenia City:
Morgen soll der Gouverneur von Tschukotka mit einer Delegation hier eintreffen. Mal sehen ob wir ihn vielleicht während seiner Fahrt durch Providenia sehen können.

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