Mein jährlicher Aufreger
BlueGerbil | 1. September 2009 12:01Leise brummt der Ventilator und schaufelt Luft über die Schreibtische. Die kleine, mobile Klimaanlage im Büro schnurrt, die Klimaanlage bei der Servern schafft auf Hochtouren. Das Thermometer zeigt 31° Celsius - es ist Spätsommer.
Der Morgen war frisch und klar, aber mittlerweile strahlt die Sonne wieder vom stahlblauen Himmel. Ein paar weiße Wölkchen wirken wie zur Deko aufgemalt. In der Stadt hübsche Frauen in kurzen Röcken, nachmittags Kinder auf dem Weg ins Freibad, die stufenlos regelbare 4 Kanal Klimaanlage (vulgo Fenster) fächelt dem Gerbil frische Luft in den Jeep, Kid Rock rockt beschwingt “All summer long” aus dem Radio - es ist Spätsommer.
Ein schöner Sommerurlaub liegt hinter einem, ein kurzer Ausflug in den Süden mit Freunden steht in wenigen Tagen bevor – es ist Spätsommer, genauer gesagt Anfang September. Man ist zufrieden, wenn man aus dem Fenster und über die beiden ersten Jahresdrittel blickt.
Doch dann bricht der Terror in seiner ganzen nasskalt-matschigen Schneepampengestalt über das beschriebene Idyll herein: Zuerst ist´s ein Schreiben des Werbemittelversenders – Adventskalender will er an den Mann bringen – flüstert verschwörerisch was von Lieferdauer und ausreichender Vorlaufzeit.
Im ersten Augenblick hält man es für einen schlechten Scherz, für einen Druckfehler oder auch für punktuellen Wahnsinn. Aber dann ereilt einen die zweite Angriffswelle: Der lokale Supermarkt hat sich ebenfalls auf die Seite der Wahnsinnigen geschlagen, hat seine Seele für ein paar Silberlinge an die kalte Jahreszeit verkauft und wirbt mit Lebkuchen und Stollen um die Gunst des sommerlich gelaunten Käufers.
Während diesem der Sinn steht nach reifen Pfirsichen, frischen Wassermelonen, einem leichten Putensteak vom Grill mit Orangen-Mango-Chutney und einem Schöfferhofer Grape wird er unvorbereitet von einer hinterhältigen Attacke von schwerem Gebäck, dubiosen winterlichen Teesorten und den Gedanken an Glühwein und Weihnachtsmarkt überrollt. Ja, und die Skier, die müßten auch gewachst werden vor der Wintersaison. Wo sind eigentlich die Schneeketten? Haben wir noch Streusalz im Haus?
Ja spinnen die denn alle? Ich mag Stollen, ich mag Glühwein, ich mag den Weihnachtsmarkt, ich mag Jeep-Touren durch den verschneiten Odenwald und ich mag mir auch gerne Gedanken machen über ein tolles Weihnachtsmenü. Aber doch nicht im Spätsommer, ihr Marketing-Vollpfosten!
Ihr gehört verklagt wegen seelischer Grausamkeit, aus der Stadt gejagt und dort geteert, gefedert und mit Lebkuchen vom Vorjahr gesteinigt. Eure Büros sollte man niederbrennen und Streusalz in den Boden einpfügen wie einst zu Troja, auf das dort nie wieder so ein Unsinn entspringe.
Sollten es einige von den Vollpfosten überleben: Gerne dürft ihr mir ab Ende November in den Läden all die genannten Leckereien anbieten, ich werde sie gerne kaufen. Alles zu seiner Zeit!
Categories: Geocaching, Allgemein



9 Responses to “Mein jährlicher Aufreger”
Ja, nee, echt jetzt? Ich wunder mich ja auch immer schon wann die ersten Sachen fürs Fest bei LIDL rumstehen, das wird immer früher. Bei Kishon gibts so eine Geschichte wo Armir in der Zeit vorgedreht wird bis es wieder stimmt. Vielleicht drehen die grad zurück, wenn die an den Osterhasen vorbei sind ist es nicht mehr weit bis wir pünktilich zum Fest die passenden Produkte angeboten bekommen.
Du hast meinen Lieblingsausrüster vergessen, der Globetrotter Winterkatalog traf auch heut ein.
Zum Glück mit einem eher herbstlich anmutenden Bild, und doch kein Schnee….
Aber Lebkuchen schmeckt frisch nun mal am Besten!
Gruß, ElliPirelli
Ich muss gestehen: Ich habe schon welche gekauft und die gestern fotografisch festgehaltene Tüte (http://twitpic.com/fzolq) ist heute schon 2/3 leer. Ich gehe jetzt besser in die Ecke und schäme mich
Ich hab gestern Dominosteine gekauft. Großartig. Die sollte es einfach das ganze Jahr geben.
Dortmund-Wambel, 29°C hinter schusssicheren Fenster, die ihren eigentlich Zweck schon längst nicht mehr erfüllen brauchen und die man wegen der drückenden Hitze einfach aufgehebelt hat.
Vor mir dampft ein Krug heißer Kaffee(er)satz(flüssigkeit), die Bürogemeinschaft sehnt sich wahlweise nach einem kühlen Blonden oder einer heißen Blonden. Es ist Anfang September, metrologischer Herbstanfang wie der Radiosprecher heute morgen verkündete.
In mir macht sich herbstliche Tristesse breit, vor allem wenn ich den Zeigen der Wanduhr folge, die wie in überraschte Autofahrer mit Sommerreifen nur im Schritttempo ihre winterliche Bahnen ziehen.
Ein weiterer Blick fällt in meine Süßigkeitenschublade, wo der der letzte Doppelkeks bereits den Weg aller Krümel gegangen ist.
Ich sehne mich nach Spekulatius (Lateinisch für Börsenmakler), Lebkuchen und Dominosteine.
Vor einigen Jahren noch konnte ich diese Jahresendzeitprodukte bereits mitte August käuflich erwerben. Alle mal unkomplizierter als selbst mit Backblech, Küchenwaage und Tütenhefe zu argieren.
Voller Appetit auch das winterlicher Hüftgold konsterniere ich: Die sind dieses Jahr reichlich spät dran.
Und da regst Du Dich noch auf? Das ist doch schon seit Jahren so, dass die weihnachtliche Verkaufswelle im Sommer angeschwappt kommt. Zur Fasnachtszeit gibt es Osterhasen und in der letzen Urlaubswoche (Ba-Wü hat ja immer spät Sommerferien) gibt es eben schon die ersten Weihnachtsleckereien.
Da hilft nur eines: Ignorieren. Wenn die Ware wie Blei im Regal liegt, wird sie irgendwann wieder erst später geordert; WIR haben es in der Hand. Aber anscheinend kaufen ja jetzt schon genügend Leute das Zeug, so dass es sich für den Handel lohnt.
Darauf ein Schlückchen Glühwein und ein guter Schokolebkuchen ;-))
Ich geb Dir da vollkommen Recht. Wir kaufen den Kram auch erst ab dem ersten Advent. Vorher braucht mir keiner mit so nem Kram zu kommen. Und wenn ich an Weihnachten nichts mehr davon bekomme, weil es schon ausverkauft ist, dann ist mir das auch egal! Rein aus Prinzip. Ich verweigere mich jedem verfrühten Lebkuchenangriff. Und wie ich mit entsetzen feststellen muss, es haben viel zu wenige (Leser dieses Blogs) die Selbstbeherrschung, zu warten, bis es auch mit der Jahreszeit passt. Hat ja dann super gepasst, die Strategie der Marketingfuzzis.
Nun ja, also eigentlich machen die Hersteller es ja nur so, weil ihre Maschinen nicht still stehen sollen. Und für den Handel ist es allemal besser, das “Saisongebäck” über die gesamte zweite Jahreshälfte zu verkaufen als nur kurz und eventuell geballt im Advent. Dann ist auch nicht mehr so viel Aktionsfläche leer und die Regale erscheinen wenigstens gefüllt.
Ja, der Wahnsinn geht immer früher los. Wer nicht Ende September seine Geschenke hat lebt sowieso total verkehrt.
Ich werde meiner weihnachtlichen Tradition entsprechend und dem schwäbischen Gemüte angepasst die Weihnachtsleckereien brav nach Weihnachten kaufen.
Wenn überhaupt!
P.a.
Kennt noch jemand die Stenkelfeldfolge “Weihnachten im Oktober”?
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